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Reisetagebuch, 17.08.1931/19.02.1935

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Freising Allgemein

August 1931. Exercitien Pater Ingbert Naab. Er fährt mit nach München.

September 1931. Bischofskonferenz. Bis Samstag dort geblieben, weil Sonntag Weihe (Clemens) in Scheyern. Inspektor Abele wegen Sankt Zeno. Professor Klebel (war krank, Bauchoperation wunderbar gerettet) wollte mit nach Sankt Clemens, aber das Wetter zu schlecht, das nächste Mal. Im Zimmer statt Doris Schwester Alwerda. Die Diener Bastel und Engelbert. Wir suchen Zimmer für Franz Müller, Partenkirchen, Büro. Im Sankt Martinkirchlein das Kunstmuseum.

Korbinian 1931. Sehr viele Geistliche zu Tisch. Im Haus 70 M. und Custos 20. Wegen Schrank von Kronwinkl, Anzeichen von eigentümlicher Menschenscheu und Irrsinn, zwei Rückfälle, einmal aus dem Georgianum entlassen, einmal aus dem Seminar weggeblieben beziehungsweise eigenmächtig nach Innsbruck gegangen. Wir werden ihn nicht aufnehmen können. Wegen eines anderen beklagt sich Generalpräfekt bei Röhrl, schaut stundenlang in die Ecke, nochmal beobachten. Dr. Müller hat sich vorgestellt, Englhart ist gerade im zweiten Examen, kein Weihwasser in der Hauskapelle.

Weihen Passionssonntag 11.-13. März 1932. Eine sehr große Zahl, 84. Erster Tag 8 - 10.45 Uhr. Sehr kalt, vielleicht die kälteste Nacht. Sonntag Präsidentenwahl. Vor dem Subdiakonat unmittelbar tritt Rauscher von München zurück. Ich spreche ihn nachher, in den Nerven ganz verstört. Wird wohl wiederkommen. Ein Minorist Fuhrer einige Tage vorher zurückgetreten, wurde aber doch aufgerufen. 2. Tag 8.00 - 11.00 Uhr. Wieder sehr kalt. Die Ordner fahren während des ganzen Adsum herum. Wegen der Kälte an beiden Tagen Mantel. Gesprochen hat Winkler. Generalpräfekt Friesinger für Neujahrsbrief gedankt. Kaiser: Male im Gesicht werden bald ganz vergehen. Schwester Adolphus bringe ich nachmittags Nachricht, daß auf drei Jahre Amtszeit verlängert, wir (Subregens) gelangen aber zuerst ins Städtische Krankenhaus statt ins Districtkrankenhaus, schickt anderen Tag Blume. Das Büro von Dr. Müller gesehen, wo jetzt Schwester Chrysantha? Sehr tüchtige Arbeiter. Am Domberg war gegen Eis zum Glück Sand gestreut.

29. Juni - 5. Juli 32 sieben Tage hier mit Priesterweihe, Firmung und Visitation. Nachmittags 15.00 - 17.00 Uhr in Wies, einmal mit Röhrl. Kirche jetzt ganz fertig, hell und freundlich, im Refectorium [ ... ] und fränkischer Käs [ ... ] 50 M an der Pforte. Pater Aloys Then Prior, Pater Justin, der Ökonom. Sonst allein. Links von der Wies führen Waldwege. Herz-Jesu -Freitag Abend nach Tisch nicht Gesang, sondern „Wallfahrt“ ins 1. Museum, wo Gesang, Ansprache über Schlachtopfer der Sünden, Lied. Tisch 18.30 Uhr. Für Haus 100, für Pater Albertus 50 Zigaretten à 10. Für Bedienung im Haus 50 + 10 (Pförtner) + 5 Briefbote. Von hier aus Visitation in Allershausen und Wolfersdorf - nachmittags immer zurück. Am letzten Abend kommt Bischof von Stuhlweissenburg, der seinen Alumnen Roßn [ ... ] und mich in München nicht traf.

➥ Folio 2

27./28. Juli 1932. Eucharistischer Priestertag mit Feier des vierzigjährigen Priesterjubiläums. Abends 19.30 Uhr predigt Pirngruber: Die Eucharistie in der Geschichte. Früh 5.30 Uhr ist Aussetzung, ich komme eine Stunde seitlich im oberen Gang. 8.15 Uhr predigt Weihbischof, ich halte Pontifikalamt Eucharistie bis 10.15 Uhr. 10.30 Uhr Festakt mit Hof des Knabenseminars: Canonicus Winichthaler Jugend und Volk zur liturgischen Erziehung. Subregens Westermayer, zum 1. Mal in coloribus
Da Subregens Westermayr am 6. Juli 1932 zum päpstlichen Geheimkämmerer ernannt worden war, berechtigte ihn dies, einen Priestertalar mit violetten Knöpfen zu tragen.
, sehr philosophisch. Ich halte kurzen Schluß. 13.00 Uhr Tisch im Knabenseminar, verrückt, drei Fleisch und noch nachserviert. 15.00 Uhr halte ich Vesper, dann theophorische Prozession. Etwa dreihundert Priester dabei. Schönes Wetter. Bei der Ankunft im Seminargang Lieder und Begrüßung, obwohl vorher und nachher Synodalexamen. Abends für die Sänger Freibier 39 M. im Leoheim. Für Diener
Gemeint ist wohl einer der beiden Diener: Bastel oder Egelbert.
und Custos 50 M. 17.00 Uhr ab mit Pfaffenbüchler.

19./20. November 1932. Vorabend
Es handelt sich um den Beginn der Feierlichkeiten zum Fest des heiligen Korbinian.
Dr. Himmelreich: Geheimbund von jungen katholischen Journalisten, die von mir nichts verlangen als den Segen, siehe Tagebuch. Kalt aber Sonne untertags. Generalpräfekt Namberger gesprochen. Der neue „Regens“, so geheißen von jetzt ab, und Röhrl als Domkapitular predigt.

1. /2. April 1933. Minores und Majores 39 + 32. Nachts kalt, untertags Sonne und warm. Einzug über den Hof, beide Tage mit Mantel. Es ist nach der nationalen Revolution, alles noch gedrückt. Hauptlehrer Braun steht am Wege, eben aus der Haft entlassen. Beim gemeinsamen Tisch soll die Schwester uns nicht zwei Fleisch oder zwei Gänge geben. Das Seminar war nach Waffen durchsucht worden, Custos sehr erschrocken, die reichsdeutsche Fahne war aufgezogen, nicht Hakenkreuzfahne. Dr. Himmelreich am Vorabend, nichts anderes als ein Interview, siehe besonders. Richtlinien für die katholischen Zeitungen - ob auch darüber Mitarbeit - nicht mehr vorlassen. Fuhrer und Rauscher diesmal dabei. Generalpräfekt Namberger gesagt, nicht so viel Papier im Garten herumliegen lassen. Gressierer war krank geworden, ein Musterzögling, ich besuche ihn auf dem Krankenzimmer. Auch beim Diaconat. Dauert nicht ganz drei Stunden. Tisch immer bei den Alumnen, auch am letzten Tag. Bürgermeister Bierner war abgesetzt worden, ein kommissarischer protestantischer Baurat. 1. Tag der Weihe incipit 7.30 Uhr, weil 10.30 Uhr Eröffnung der heiligen Pforte in Rom, im Saal wohnen wir bei, sehr gut zu hören. Am Abend des gleichen Tages die Entzündung der Lichter am Kreuz auf Monte Senario, weniger gut zu hören. Schwestern sollen nicht zu viel kochen, nicht zwei Fleisch oder zwei Gänge. Primizbilder sollen vorher dem Regens vorgelegt werden.

28. /30. Juni 1933, Priesterweihe 33. 8.00 Uhr - 11.30 Uhr. Schreckliches Wetter, Regenstürme, kalt. Die Regierung hat feierliche Einzüge und große Primizessen verboten. Regens Westermayer feiert zugleich sein silbernes Priesterjubiläum. Tisch leider im roten Saal, aber wenigstens nicht mehrere Fleisch. 18.00 Uhr Vereidigung - 18.20 Uhr. 18.30 Uhr Herr Schneider. 5 M. Fliegertag fällt aus wegen Regen. 30. Juni, Firmung für Freising. Spiritual geht am Vorabend früher weg, weil noch Beichte hören. Nachmittag 17.00 Uhr, Elisabeth und Maria Fitz mit Winfried vom Lehrerseminar. Abends zu Tisch - 21.30 Uhr im Knabenseminar. Nach der Firmung wollte ich mit Dr. Englhardt Professor Walz

➥ Folio 3

besuchen - war nicht zu Hause. Dann Professor Muth - ist sehr schlecht dran. Dann Professor Dürr, den wir Heckenstallerstraße 9 suchen, aber nicht zu Hause anfinden. Englhardt schreit auf alle Fenster hinauf. Nachmittag kommt Uditore Panico - aus einem Mißverständnis. Dem Pförtner Engelbert 5 M. Custos hatte mein Sedile einfach auf die andere Seite getragen.

7. - 11. August 33. Exercitien. Pater Heinrich Holzapfel
Vermutlich ist hier Pater Heribert Holzapfel gemeint.
, bei furchtbarer Hitze. Der Boden vor dem Speisesaal macht einen furchtbaren Lärm. Der Barbier Fischer ein anderer als das letzte Mal 5 M. Den Schwestern 50, den Ministranten 100, dem Custos 20. Die neue Orgel mit dem kleinen Spieltisch in der Nische, während die Orgelpfeifen auf dem Speicher isoliert. Das neue Altarbild - das viele Licht ein wenig abblenden. Links oben das Chörchen niemals benützt. Subregens war zwei Mal bei mir wegen Aufbewahrung seiner Urkunde. Ein Papstbild von Roth gekauft 1500 M und mitgenommen, stattdessen Bild von Hirsch hierher zu bringen.

20. November 33, Korbinianstag. Montag herrliche Sonne, aber ein Schatten: Direktor Rossberger ist seit zwei Tagen verhaftet, die Präfekten
Gemeint sind Max Mangold, Albert Hartl, Michael Höck und der nachmalige Kapuzinerpater Victricius (Georg) Oberndorfer.
und sogar die Zöglinge mussten sich verhören lassen, sehr aufgeregt. Bürgermeister Lederer ist Bruder des Kuraten von Waldtrudering, Zweiter Bürgermeister Lechner wild und gleich wieder gerührt, war ebenso wie Oberregierungsrat Schels, daß Rossberger verhaftet wurde. Im Zimmer neues Telefon. Neue Oberin, bisher im Knabenseminar. Generalpräfekt Kirchdorf bei mir - über Gottesdienst. Präfekt Mangold hat sich in der Sache seines Direktors sehr klug benommen. Wir haben mit ihm die Häuser an der Südfront angeschaut, weil die Räume nicht reichen. Bei der Wegfahrt Hitlerjugend um das Auto, wollte nageln [ ... ], wurde weggeschickt, weil Rossberger gleichzeitig in Haft.

16. - 18. März 34. Minores und Maiores. Herrliches Wetter, aber am 1. Tag kalt. Neues Telefon. Papstbild von Peter Hirsch mitgebracht. Vereinshaus ist beschlagnahmt. Rossberger in Haft, Brunner
Möglicherweise ist der Präfekt des Klerikalseminars Rudolf Bruner gemeint.
erzählt vom Abitur. Zum 1. Mal Gesinnungsprüfung. Ich arbeite an meinem Kreuzweg. Besuche: Studiosus theologiae Maier über den Arbeitsdienst der Theologiestudenten, er war in Berlin. Gräfin Gundelinde mit den zwei Kindern Caspar und Theresia, fürchtet vor dem Sterilisierungsgesetz, schimpft vor den Kindern über die Zeiten. Vergessen, das Grab von Muth zu besuchen. Tisch 18.30 Uhr, Tonsur 19.15 Uhr. Die Feier früh 8.00 Uhr - 10.45 Uhr. Die Theologen gehen 11.30 Uhr. Tisch 12.30 Uhr immer bei den Theologiestudenten. Nächstens auch nach der Priesterweihe bei den Geweihten und dann zum Kaffee zu den Gästen. Statt Kreuzweg jetzt Vesper, weil morgen Josefstag ist.

6. Mai 1934. Priesterweihe. Vorweihe 35. Wetter früh Regen, untertags sehr heiß und Sonne, abends Gewitter. Katharina und Gertraud hier, ebenso Schmidt-Pauli
Hier kann es sich um Elisabeth, deren Tochter oder ihren Bruder Edgar handeln.
mit den beiden Bottlenberg
Vermutlich sind hier Beatrice von dem Bottlenberg und Maria von dem Bottlenberg gemeint.
, Maria La Rosée mit Emanuel. Eid 17.30 Uhr mit kurzer Einleitung, 18.30 Uhr Tisch (Immer bei den Weihecandidaten, auch am Weihetag, später ins rote Zimmer zu den Geistlichen, auch Abendtisch bei den Alumnen). 19.15 Uhr Maiandacht, ebenso am folgenden Tag, ich wohne im Chor oben bei. Zimmer neu gestrichen, noch im Geruch der Ölfarbe.

➥ Folio 4

Besuche: Nach der Vesper Katharina und Gertraud, darf mit nach Rom, Emanuel. Rektor Espenberger über Jubiläumsfeier der Hochschule am 18. Juli, Dr. Werner vom Regensburger Anzeiger. Die Eltern
Gemeint sind Herr und Frau Mois.
von Mois von Rottenbuch M 50.

Drei Tage Firmung: Am ersten Nachmittag ins Sankt Clemenskirchlein hinaus. Unterwegs auf dem Rad. Steigenberger, Geselle, erzählt, wie sie dort eine Abendandacht halten wollten und vom Gendarmen weggeschickt wurden. Im Kirchlein verschlossen arbeitet Professor Klebel in der Sakristei, glücklich, daß heute Früh Bittwallfahrt von Sünzhausen hier war, betet sein neues Gedicht vor unter Tränen, besorgt, wer nachdem ihm dafür sorgen wird, seine Frau schwer magenkrank, bleibt vier Tage hier, schwer wegzukommen. Gewitterregen. Am zweiten Tag, Nachmittag Grab von Muth im neuen Friedhof und Seminar und Schwestern und Greichet und Josef besucht. Besuch von Professor Pfannholz wegen Dr. Steger, der entlassen wurde. Am ersten Firmtag abends im Lichthof des Seminars ein schönes Spiel mit Sprechchor, ein Priesterspiel. Ich bleibe nicht, weil Rossberger noch im Gefängnis ist. Nota bene: Am Altar den Holzrahmen entfernen: Küssen und Gesten auf den Altar. Nicht auf den Rahmen. An der Pforte Hausmeister Blasius (M 3.) neben Schwester Alberta.

18. Juli 1934. Einhundertjahrjubiläum der Hochschule. Vorabend spät 20.00 Uhr München ab. 9.00 Uhr Pontifikalamt mit Tedeum. Vorher der Rektor Espenberger predigt über Gott und Christus und Allerlei. 12.00 Uhr kommen die Professoren beider Abteilungen zu mir, dabei ist Ludwig, nicht aber Holzhey. Auch Linhardt ist nach München zurück, Hertel fehlt überhaupt. Bleiben die Herren bei Tisch. Man hätte mehr durcheinander setzen müssen, nicht die Domherren alle vorne. Nach Tisch photographiert. 15.00 Uhr zurück, ich gehe also nicht auf den Lindenkeller. Für den Knabenseminaristen aus Mittenwald 100 M. Leuthner dankt dafür. Stummer war auch hier.

6. - 10. August 34. Exercitien, Pater Eckl Redemptorist.

19./20. November 34. Korbinian. Am Altar küßt man den Holzrahmen statt den Altar. Kelch nur bei der Priesterweihe klein. Die Schwester der Schwester Alwerda Neuburg an der Donau hatte um Unterstützung geschrieben (20 M). Studienprofessor Wolf besucht mich: Die Lehrer singen nicht mehr im Domchor, er hat viel für Rossberger getan. Generalpräfekt Anton Maier sagt, ein guter Geist im Hause, sein Nachfolger für [ ... ] Götz. Neuhäusler predigt, große Beteiligung, sehr viele Geistliche hier. Der Schemel vor dem Sanctissimo nicht unter der Lampe!

15. - 19. Februar 35: Zwei Tage Weihen (für zwei war Dispens nicht gekommen wegen Illegitimität). Große Zahlen 57 Minores, 43 Majores [ ... ]: genau eine Hundertschaft. Besuch von privat, Gundelinde mit der Tochter: Ob der Sohn nicht angezeigt werde - nach Ungarn? Zuerst viel Regen und schwere Stürme. Große Begeisterung. Dann zwei Tage Bibeltagung. 6.30 Uhr heilige Messe für Röhrl in der Hauskapelle mit Kommunion der Candidates. Am zweiten Tag Messe im Knabenseminar 6.30 Uhr in Chorkleidung mit Mantel. Kommunion ohne Ringkuß. Zu feierliche Messe. Beim Hinausgehen kurze Ansprache.
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