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Kirchen- und staatspolitische EreignisseParallelansicht ⇨
Nachrichtenexzerpte, 13./21. Dezember 1933

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13.12.33. Die kleinen Landeskirchen haben sich einer größeren Landeskirche anzuschließen oder der Reichskirche sich unterzuordnen. Dem Nuntius Orsenigo haben Göring und andere Reichsminister zum 60. Geburtstag gratuliert. Ein Kriegskamerad von Hitler, namens Westenriedner, war der Partei von Hitler beigetreten, dann aber nach Amerika ausgewandert, jetzt hat ihm Hitler die Karte für Rückreise zur Verfügung gestellt. In diesem Jahr wurden 82000 Kraftwagen verkauft. Der Papst hat mehrere Geistliche in der Pfalz ausgezeichnet: Protonotar Generalvikar Klein, zum Hausprälat, zum Ehrenkämmerer..

if In Oberammergau beim großen Essen spottet Esser über seinen Adjutanten: Wie der Dicke dreinhaut. Darauf hat der seit Jahren gewartet. Der Bürgermeister von Oberammergau meint, der Paragraph gegen Protestanten müsse fallen, wir hätten doch alle einen Gott. Er hatte von Esser bereits die Zusage der Schirmherrschaft, mußte aber auf einen Wink von Berlin das wieder zurückgeben.

16.12.33 in Wien Kardinal Innitzer eine Konferenz: Das Weltgewissen aufrütteln wegen der Millionen, die in Rußland vom Hungertod bedroht sind. In Wien bei einer akademischen Feier die Melodie des österreichischen Hymnus, aber die Studenten sangen das Deutschlandlied. Die Winterhilfsstelle schickt den Ärmsten Weihnachtsbäumchen ins Haus. Die Schuljugend soll diese Bäumchen herrichten. In Augsburg wurden von den Bibelforschern Bibeln verbreitet mit Hetzeinlagen gegen die nationale Regierung. Einige verhaftet. if eine Frau: Ich sag ' gar nichts, das wird man noch sagen dürfen.

19.12.33. Jetzt müsse auch für den Aussenhandel etwas geschehen. Die Ordnung des Innenhandels mußte vorausgehen, jetzt aber muß... Der Staat könne nicht der Führer der Wirtschaft sein. - Wenn Frankreich, das Land mit der größten Luftmacht, an Luftschutz denkt, wie viel mehr... Die Neue Pfälzische Zeitung auf drei Tage verboten, weil einen Artikel veröffentlicht, der gegen die Maßnahmen der Münchener politischen Polizei abgedruckt hatte.

if Heute im Ordinariat eine Präsideskonferenz polizeilich aufgelöst, die von Neuhäusler einberufen worden war. Und nachher Neuhäusler verhört und verhaftet. Ob einer der Präsides die Stunde der Versammlung verraten hatte? Ob die Verhaftung wegen des Artikels im Katholik, wegen des Vorsitzes in der Aktion, oder wegen des Eintretens für die Presse, besonders Kirchenzeitung war?

Ein nationalsozialistischer Hauptmann bei Lexer, der ihn gar nicht operiert und nur einmal nachschaute - 1000 M, darüber entrüstet.

20.12.33 Dessauer wurde vor Gericht freigesprochen. Vom 1.1. ab müssen alle Behörden den Völkischen Beobachter halten. Die regelmäßigen Versammlungen in der Stadt München müssen ab 1.1.34 neu genehmigt werden. | Von Würzburg 14 Liebesgaben-Wagen nach Spessart und Rhön. Fränkisches Volksblatt auf drei Tage verboten, weil sie No 222 zu den Verhaftungen in München in einer abträglichen Weise Stellung genommen und durch diese Artikel dem Urteil vorgegriffen haben.

21.12.33 Außenpolitisch sehr gespannt. Hitler sehr still geworden, seitdem der französische Botschafter bei ihm war. Röhm reist ab bis Januar. In der Presse nur Andeutungen. Er wolle keine Änderung des Völkerbundvertrags, außer wenn dadurch der Bund wirksamer werde. Er werde mit Boncourt sprechen. Eine Unverschämtheit sei die englische Untersuchung in England über den Reichstagsbrand. Die Verhandlungen in Paris wirtschaftlich haben zu keinem Ergebnis geführt, die Delegation wird morgen abreisen. Vergesst für den Christbaum das Buch nicht, besonders neue Bücher. Überall werden vierhundert, dreihundert Häftlinge entlassen. Ministerpräsident Siebert hatte zweihundert Kinder heute zu Weihnachten zu Tisch, Kinder von Gefallenen und gefallenen SA. Die Kinder singen.
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