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Gesprächsprotokoll, 1. März 1933

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Dieses Dokument ist auch ediert in: Volk, Ludwig (Bearb.), Akten Kardinal Michael von Faulhabers 1917 - 1945. Bd. 1: 1917 - 1934, Mainz 1975, Nr. 269, S. 651-654.
von Papen bei mir, Aschermittwoch, 1.3.33. 12.00 - 13.15 Uhr.

Persönlich. Sehr pünktlich angekommen. Küßt gewaltsam den Ring. Am Schluß bittet er um den Segen und wieder Ringkuß. Am Anfang: In diesen schweren Stunden, da manchmal Überschweres auf seinen Schultern liege - die Stimme versagt und die Tränen stehen in den Augen, wie auch am Schluß. Sonst machte er im Sprechen einen sehr sicheren Eindruck.

Wie das alles gekommen sei. Er habe das Vertrauen des Reichspräsidenten gehabt. Schleicher habe immer erklärt, er werde einen Teil der Nationalsozialisten herüber bringen und eine parlamentarische Mehrheit schaffen, dann aber zeigte sich, daß Gregor Strasser nicht [ ... ] einen Abgeordneten, geschweige sechzig hinter sich hatte. Der Präsident habe ihn wieder gerufen: Gibt es gar keinen Ausweg. Ja, wenn Hitler Reichskanzler werde. Er rechnet nach Stunden: Zwischen elf und zwölf. Hitler sei sehr mäßig in seinen Forderungen gewesen. Eine autoritäre Regierung, aber Hitler wollte nichts vom Zentrum wissen und trotzdem, wenn Kaas statt 13 Fragen zu stellen ihm gesagt hätte: Ja, aber wir behalten uns vor, zurückzutreten. Die Wahl jetzt hätte nur einen Zweck, geistesgeschichtlich zu klären, nicht eine eigentliche Wahl.

Ich: An seinem guten Willen nie gezweifelt, Mißtrauen nur gegen Hugenberg, ob der nicht übermächtig würde gegen die Kirche. Die Notverordnung gegen den [ ... ] von Dr. Bracht seien doch sein Werk gewesen. Parlamentarisch wäre das nie gegangen. Endlich einmal durchgreifen. Ich wünschte, wir hätten auch im Süden einen solchen Reichskommissar gehabt.

Die Geschichte der letzten Tage: Der Brand im Reichstag, vierzig Brandstellen. Im Liebknechthaus: Daß bis heute dieser unterirdische Gang nicht entdeckt wurde, zeigt, wie das Zentrum mit den Sozialisten befreundet war und daß nie ernst gesucht wurde. Nicht wie früher Regierungsgebäude stürmen, sondern das Volk zermürben, an 100 Stellen gleichzeitig Brände legen, Bauernhöfe anzünden, Scheunen aufreißen, die Beamtenkinder auf dem Schulweg wegfangen und bei Streik sie vortreiben, die Speisen vergiften, in die Häuser eindringen und den Pförtner und das Personal niederschießen, gestern stundenlang darüber beraten . Hitler spricht nur, wenn Volkspsyche, die glaubt er besser als alle zu kennen. Er kann nichts tun, was unsozial wäre. Der § 2 der Notverordnung gegen Hamburg (dort erscheint die Rote Fahne, demnächst Umzug der Nationalsozialisten und des Reichsbanners) und ebenso Lübeck, nicht gegen Bayern. Er habe sofort den bayerischen Gesandten zum Reichsinnenminister geschickt, das zu erfahren.

- Nazis zur Zeit sehr scharf, aber nach der Wahl werde ruhig gearbeitet werden, dann werde Ruhe eintreten, auch Unpopularität. Wenn doch in Bayern der Gegensatz gegen die Nazis nicht so scharf wäre.

Königsfrage: Er werde es heute Mittag auch seiner Majestät sagen. Man möge doch bedenken, daß Hitler sofort seine Leute marschieren ließe und daß Reichswehr eingesetzt würde und es gäbe einen furchtbaren Bruderkampf. Das könne nur gleichzeitig gemacht werden mit Preußen und den größeren Ländern. Er sei selber Monarchist und Legitimist und für ihn lieber heute als morgen, aber doch abzuwarten. Ich: Es war vor Woche ein Herr bei mir und erklärte: Ganz Bayern. - Ich sagte ihm: Auf den Firmungsreisen nichts davon gemerkt.

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Natürlich, im Büro des Kronprinzen laufen die Zustimmungen ein. Man müsse auch an morgen denken, - was dann.. In der Volksküche. Patrona Bavariae natürlich und bei der Beisetzung vom Prinzen Alfons...

Ich: Der Unterdrückungskampf gegen Kommunisten wird eine solche Wut ansammeln, die einmal losbricht. Wäre es nicht möglich, die Zufuhr von Moskau abzuschneiden, die Geldsendungen, die Verbindungen abbrechen - Lieber inländischer Industrie Aufträge geben - Das nimmt er an, meint, später würde das durchgeführt werden können.

Ministerpräsident Held: Heute sei er in Berlin beim Reichskanzler. Dort wird ihm erklärt, daß gegen Bayern ein Reichskommissar nicht eingesetzt werde, aber der Reichskanzler will auch ihm wegen der Rede in Kaiserslautern sagen, so gehe es nicht weiter. Ich erkläre: Seine Stuttgarter Rede sei in der Form verunglückt gewesen. Ich ehre ihn sehr hoch, aber das habe ich schon erklärt, so spricht ein Staatsmann nicht. Ein Redner läßt sich leicht fortreißen vom Beifall. Er meint, Minister sollten nicht in den Parteikampf steigen. „Ich bin doch Föderalist“ erklärt er feierlich, und werde dafür sorgen.. ...

Hindenburg habe den Hitler durchaus nicht gewollt, erst dann, als er ihn selber zum Vicekanzler machte und befahl, Vortrag immer zu zweien.

Nach der Königsfrage erkläre ich: Man soll aber nicht wie Göring von Seperatisten sprechen, das verbittert unser Volk. Und nicht von katholischer Donaumonarchie sprechen. Der Kaiser habe ihm einen seiner drei Rundbriefe, die ich über Sigmaringen bekommen habe, geschrieben, er wisse aus absolut sicherer Quelle in Paris, von Rom aus eine katholische Donaumonarchie geplant. Ich fragte damals Staatssekretär Gasparri, ob jemals dort ein Wort gesprochen worden. Bestimmt: Nein, ich sei ermächtigt, auch von dieser Erklärung Gebrauch zu machen. Im gleichen Jahr damals, als er mir auseinander setzte, daß Gasparri die Auslieferung des Kaisers verhütet mit dem Stichwort: Monstrum historicum. Er habe zuerst in der Zeitung geschrieben und als keine Antwort kam, nach Washington mit dem Namen , dann nach Holland und so zuerst die, die dagegen waren, und zuletzt Frankreich. Er: Er habe das nicht gewußt. Man hätte das veröffentlichen sollen. Ich: Ich habe damals Gasparri Pietro gefragt, aber die Antwort bekommen: „Dafür wird die Stunde kommen“. Er meinte wohl, zur Zeit noch nicht wegen Frankreich. Durch den Gesandten ließe sich das feststellen. In der öffentlichen Aussprache war plötzlich nicht mehr die Rede vom Ausliefern .

Zum Abschied: Ich wisse die Ehre zu schätzen. Würde mich freuen, wenn wir uns wieder begegnen. Nicht gesagt: Daß ich das letzte Mal nicht Volkspartei gewählt. Er bittet noch, doch Vertrauen zu haben, er werde als Katholik alles tun, und hoffe, auch nach der Wahl katholische Mitarbeiter zu finden. Ich: Ich habe zu ihm persönlich alles Vertrauen. Mißtrauen besteht nur, ob nicht Hugenberg der Mächtigere sei.

Was für ein Unglück es war, daß Zentrum und Sozialisten so lange zusammengingen (da wurde er sehr erregt), sieht man an der weltlichen Schule. Im Süden weniger, aber im Norden. Das Zentrum hat diese Schule geduldet, wo nichts von Religion war, wo dissidentische Lehrer währten, - mit der Ausrede: Einen faulen Apfel nicht zu den Anderen legen. - Unsere Aufgabe ist doch, die Jugend zu erziehen,

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die müssen doch etwas von Liebe Gottes hören und den kleinen Katechismus.
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